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Damit Dortmunds Lungen nicht die Luft ausgeht

GRÜNE fordern Stärkung des Natur- und Artenschutzes im Stadtwald

Von derzeit sechs auf zehn Prozent des Stadtgebietes soll die Naturschutzfläche vor allem in Waldbereichen ausgeweitet werden. Das sieht der neue Landschaftsplan vor. Außerdem soll darin nun endlich der Ratsbeschluss vom 2. Mai .2013 umgesetzt werden, bis zu fünf Prozent des Stadtwaldes der natürlichen Entwicklung zu überlassen. Für uns GRÜNE sind das gute Nachrichten. Denn ein intakter Wald trägt entscheidend zur Verbesserung der Luftqualität bei, sorgt für den notwendigen Boden- und Artenschutz  und dient den Menschen als Erholungsgebiet. Voraussetzung ist jedoch, dass der Wald mithilfe des neuen Waldpflegeplans in seinem Bestand und seiner ökologischen Qualität auch wirklich geschützt wird. Denn forstwirtschaftliche Gründe haben in der Vergangenheit immer wieder den Naturschutz ausgehebelt und für massiven Holzeinschlag im Stadtwald gesorgt. Das gilt es mit einem verbindlichen ökologisch orientierten Waldpflegeprogramm in Zukunft zu verhindern.

 

Landschaftsplan liegt nach den Sommerferien zur Stellungnahme aus

Der Vorentwurf zum Landschaftsplan für den baulichen Außenbereich, das sind 54 Prozent der Stadtfläche, liegt vor und kann von allen Bürger*innen eingesehen werden. Nach den Sommerferien soll jede*r Dortmunder*in im Zuge einer vorzeitigen Bürgerbeteiligung vier Wochen Zeit zur Stellungnahme haben.

Im Plan vorgesehen sind die Ausweisung von

  • 32 Naturschutzgebieten auf 2.852,20 Hektar entsprechend 10,16 Prozent des Stadtgebietes
  • 47 Landschaftsschutzgebieten in einer Größenordnung von 8.655,3 Hektar
  • rund 250 weiteren Schutzobjekten
  • etwa 300 Pflege- und Entwicklungsmaßnahmen zur ökologischen Aufwertung des Naturhaushalts, zur Verbesserung des Biotopverbundes und zur Pflege und Bereicherung des Landschaftsbildes

Laut Stellungnahme des Beirats der unteren Landschaftsbehörde hat sich die Situation für die Tier- und Pflanzenwelt seit der Aufstellung des ersten Landschaftsplans (DO-Nord) im Jahr 1990 „sowohl verbessert als auch verschlechtert. Der ökologische Umbau des Emschersystems mit dem Phoenixsee hat sich positiv ausgewirkt. So kann man an einigen Bächen den früher seltenen Eisvogel wieder antreffen. Andererseits haben die Brutvögel der offenen Landschaft dramatische Bestandsrückgänge zu verzeichnen“. Verantwortlich dafür macht der Beirat vor allem den zunehmenden Nutzungsdruck auf den Freiraum durch neue Bauflächen. Aber er betont in seiner Stellungnahme: „Nicht die Gesamtgröße der Naturschutzfläche ist der Maßstab, sondern die mit dem Schutzstatus und den Maßnahmen verbundene Sicherung der Artenvielfalt.“

 

Abholzungen im Naturschutzgebiet Oespeler Dorney

Jüngstes Beispiel für die Gefährdung der Artenvielfalt infolge der Durchforstung eines Naturschutzgebietes ist der Oespeler Dorney, dessen Qualität viele Bürger*innen dadurch in Gefahr sehen und für dessen Schutz sich unter anderen die Bürgerinitiative Pro Oespeler Lebensraum e. V. stark macht. Denn obwohl der Dorney als Naturschutzgebiet ausgewiesen ist, wurden Bereiche am Dorneyteich und nördlich der Dorneystraße großflächig abgeholzt. Darüber hinaus hat die BI Reifenspuren inmitten des Gehölzes festgestellt, die auf den Einsatz von Fahrzeugen außerhalb des angelegten Wegenetzes hindeuten. Ein solcher Einsatz von schweren Transportfahrzeugen im Wald hat massive Folgen für die bodennahe Vegetation und ist im Naturschutzgebiet genau aus dem Grund nicht gestattet.

 

Beirat der unteren Landschaftsbehörde: abgestimmte Biotopmanagementpläne

Die Dienstanweisung des Landesumweltministeriums zum Artenschutz im Wald schreibt für Bestände mit Fledermäusen und horstbrütenden Vögeln wie im Dorney vor: „Der Einsatz von Fahrzeugen findet nur von dem angelegten Wege-/Feinerschließungsnetz aus statt.“ (S.14) Darauf hat der Beirat der unteren Landschaftsbehörde hingewiesen und vorgeschlagen, Waldpflegepläne (Biotopmanagementpläne) in Abstimmung mit den Forstbehörden, den Naturschutzverbänden und der Biologischen Station zu entwickeln. Doch bisher verhallen seine Empfehlungen anscheinend ungehört. Dabei braucht es dringend verbindliche Regelungen, die verhindern, dass beispielsweise nach einem Sturm wie zuletzt „Ela“ auch gesunde und alte Bäume mit Durchmessern von über 80 Zentimetern zu einfach im Rahmen der Schadensbeseitigung aus dem Wald entfernt werden können.

 

Land: Umbau und Aufbau von naturnahen Wäldern

Dabei stimmt die Zielvorgabe aus dem Koalitionsvertrag der Landesregierung (Kapitel IV. Umwelt, Landwirtschaft, Verbraucherschutz) optimistisch: „Wir wollen den Umbau und Aufbau von naturnahen Wäldern voranbringen, die den Folgen von Klimawandel, Schädlingsbefall und anderen Belastungen widerstehen können. Wir wollen das Landesforstgesetz zu einem Landeswaldgesetz weiterentwickeln, welches stärker an den Kriterien einer nachhaltigen Waldwirtschaft ausgerichtet ist.“ Klar ist, dass naturbelassene Wälder das Fundament für Artenvielfalt, Erholung sowie für den Erhalt von Biodiversität sind. Zudem haben sie eine große Bedeutung für den Klimaschutz.

 

Stadt: Ökologisch orientiertes Waldpflegeprogramm

Damit hat ein intaktes Waldgebiet gerade für die dicht besiedelte und verkehrsreiche Stadt Dortmund eine große Bedeutung. Der Stadtwald in Dortmund fungiert sowohl als Naherholungsgebiet und Ausgleichsfläche als auch als Sauerstoffproduzent und Staubfilter. Wälder in Naturschutzgebieten sollen zudem einen besonderen Schutz zum Erhalt von wertvollen Lebensstätten, wie z. B. naturnahen Buchenwaldbeständen, genießen. Zum Schutz dieser wichtigen grünen Lungen beruft sich die Stadt dann auch auf ein ökologisch orientiertes Waldpflegeprogramm mit Schwerpunkten auf der „Schaffung von gestuften, standortgerechten Mischwäldern mit Bäumen aller Altersstufen, Erhaltung der ökologischen Vielfalt des Waldes sowie Kahlschlagverzicht, dafür eine einzelstammweise, zielstärkenorientierte Nutzung“.

 

Wir GRÜNE haben nachgefragt

Vor dem Hintergrund der massiven Holzfällungen kommen allerdings Zweifel auf, ob das Dortmunder Waldpflegeprogramm wirklich so ökologisch ist. Deshalb haben wir GRÜNE im Umweltausschuss am 29. April 2015 nachgefragt, wie forstwirtschaftliche Belange und Naturschutzvorgaben gegeneinander abgewogen werden und wie die Verwaltung die Beachtung des Artenschutzes im Wald gewährleistet. Wir wollten auch wissen, wie die Struktur des Waldes in Dortmund vor allem bei den älteren Bäumen aussieht. Wie viele Bäume gibt es tatsächlich, die über 120 Jahre alt sind? Und gibt es Konzepte zur Sicherung eines ausreichenden Alt- und Totholzanteils vor allem in den Naturschutzgebieten?

In seiner Antwort vom 20. Mai 2015 an den Ausschuss für Umwelt, Stadtgestaltung und Wohnen schreibt Planungsdezernent Ludger Wilde: „Die Flächengröße des Stadtwaldes beträgt 2.526 Hektar. Nach dem Stand des Waldpflegeplans von 1997 setzt er sich zusammen aus 87 %Prozent Laub- und 13 Prozent Nadelhölzern. Mit einem Flächenanteil von 31 Prozent ist die Buche die führende Baumart im Stadtwald, gefolgt von Eiche (21 Prozent) und Roteiche (9 Prozent). Beim Nadelholz nimmt die Lärche den größten Flächenanteil mit 4 Prozent ein, gefolgt von Kiefer und Fichte (…) Die Waldbestände mit einem Alter über 120 Jahren nehmen über alle Baumarten 19,3 Prozent der Waldfläche ein (Stand: 1997). Bei der Buche beträgt der Flächenanteil der Bestände über 120 Jahre 28,4 Prozent. Bei der Eiche beträgt der Flächenanteil der Bestände mit einem Alter von über 120 Jahren 45,7 Prozent (Stand: 1997).“

Außerdem sichert Wilde zu, dass gemäß dem Grundsatz der Nachhaltigkeit nur so viel Holz geerntet werde, wie im gleichen Zeitraum nachwachse. Das Kronenmaterial verbleibe als Totholz im Wald, um den Nährstoffentzug zu minimieren und Lebensräume für Tiere, Pflanzen und sonstige Organismen zu schaffen. Um eine nachhaltige Holzwirtschaft sicherzustellen, werde der Stadtwald nach dem 1993 beschlossenen „ökologisch orientierten Waldpflegeprogramm für den Stadtwald Dortmund“ bewirtschaftet.

Der neue Waldpflegeplan soll Ende 2015 vorliegen. Wir sind gespannt, welche Überlegungen zur ökologischen Waldbewirtschaftung darin zu finden sind. Wir werden jedenfalls auch in Zukunft aufmerksam auf den Erhalt unseres Stadtwaldes und seiner Klimafunktionen achten. Deshalb drängen wir gemeinsam mit den Naturschutzverbänden auf einen verbindlichen Waldpflegeplan, in dem Natur- und Artenschutz des Waldes in einem positiven Verhältnis zur Forstwirtschaft nach ökologischen und nachhaltigen Grundsätzen steht.

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