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Thema:  Umwelt + Verkehr

Art: Pressemitteilung

Der Envio-Skandal

Die Verseuchung mit hochgiftigem PCB durch die Dortmunder Entsorgungsfirma ENVIO ist der größte PCB-Skandal in der Geschichte der Bundesrepublik. Hinter der modernen Fassade einer multinational tätigen Unternehmens hat Envio mit der Reinigung und dem Recyceln von PCB-belasteten Transformatoren Riesenprofite auf Kosten der Gesundheit von Mitarbeitern und AnwohnerInnen erzielt.

Bereits in den Jahren 2006/2007 waren durch Regelmessungen des Landesamtes für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (LANUV) erhöhte PCB-Werte im Bereich des Dortmunder Hafens und in Grünkohlkulturen der dortigen Kleingartenanlagen gefunden worden. Die Kleingärtner verlangten Aufklärung über den Verursacher. Die Suche nach den möglichen Emittenten verlief schleppend.

Mitte/Ende 2009 wurde die Zahl der in Frage kommenden Verursacher eingeschränkt. Anfang 2010 legte die für den Immissionsschutz zuständige Bezirksregierung im städtischen Ausschuss für Umwelt die weiteren Schritte zur Identifizierung der Verursacherquelle dar. Zu diesem Zeitpunkt hatte ein ehemaliger Mitarbeiter der Firma Envio unserer Fraktion bereits ausgiebige Hinweise auf zahlreiche Mängel gegeben. Auf Fragen teilte die Bezirksregierung lapidar mit, die Firma gehe weiter als der Stand der Technik es vorschreibe. Erst als im April aufgrund konkreter Hinweise von Mitarbeitern der Firma ENVIO vor Ort eine Überprüfung durch die Bezirksregierung erfolgte, wurden an einem  gigantischen Trafo Bleche sichergestellt, die eine 150-fache Überschreitung der zulässigen PCB-Werte aufwiesen.

Der kontaminierte Teilbereich der Firma wurde von der Bezirksregierung stillgelegt. Nachdem Staubproben auf dem Außengelände und in einer Halle extrem hohe Belastungen mit PCB festgestellt wurden, ordnete die Bezirksregierung am 20. Mai die Stilllegung der Firma ENVIO. Mittlerweile ist bekannt, dass es bereits im September 2008 einen anonymen Hinweis an die Bezirksregierung mit der detaillierten Beschreibung von skandalösen Missständen gab. Die Bezirksregierung reagiert nur mit einem bereits länger angemeldeten Termin. Die Vorwürfe wurden gemeinsam ausgeräumt. Envio wurde seit ihrer Ausgründung beim Vorgänger ABB von den zu ständigen Behörden mit Samthandschuhen angefasst, obwohl die Akteneinsicht deutlich macht, dass der Bezirksregierung sehr wohl bekannt war, dass ENVIO Auflagen nicht einhielt. Bereits 2007 wurde mit einer Teilstilllegung von Anlagen gedroht. Letztlich gab es trotz der PCB-Funde im Norden weder eine engmaschige Kontrolle von Envio noch ernsthafte Konsequenzen. 

Wir GRÜNE fordern, dass die Bezirksregierung hinsichtlich der Vernachlässigung ihrer Kontrollpflichten und einer möglichen Amtspflichtverletzung überprüft wird. Im Vordergrund steht jedoch zunächst die medizinische und rechtliche Unterstützung der Betroffenen, deren Blut teilwiese mit 25.000 fach erhöhten PCB-Werten belastet ist und die mit einem erhöhten Krebsrisiko sowie Schäden an ihrem Nerven- und Hormonsystem leben müssen. Wir GRÜNE haben seit dem Bekanntwerden der PCB-Belastungen 2007 auf eine schnellstmögliche und umfassende Aufklärung gedrängt. Wir halten es für einen Skandal, dass ENVIO als einziger PCB verarbeitender Betrieb nicht unmittelbar nach Bekanntwerden der erhöhten PCB-Werte in den Kleingärten in den Fokus der behördlichen Ermittlungen gerückt ist. 

Der neue GRÜNE Landesumweltminister Johannes Remmel hat angekündigt, die offensichtlichen Defizite in der Umwelt- und Arbeitschutzverwaltung der Landesbehörden zu überprüfen. Bisher gab es nur fünf Kontrolleure im Umweltbereich für den ganzen Regierungsbezirk. Klargestellt hat er auch, dass die Kosten für die Sanierungsmaßnahmen nicht von der Allgemeinheit, sondern vom Verursacher ENVIO zu tragen sind. 

 

Dortmund, November 2010

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