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Thema:  Kinder, Jugend, Bildung Newsletter

Ein Schritt nach Finnland

Die Gemeinschaftsschule kommt

Dienstag, 7. Dezember 2010

Längeres gemeinsames Lernen ermöglicht die Gemeinschaftsschule – und den direkten Weg zum Abitur für alle. Im ersten Schritt will die rot-GRÜNE Landesregierung ein Modellvorhaben mit 50 Gemeinschaftsschulen einführen. Auf Initiative der GRÜNEN wird der Rat beschließen, dass Dortmund mit dabei sein wird – wenn auch nicht schon im nächsten Sommer.

SCHULVERSAGEN


51 Prozent aller SchülerInnen erleben in ihrer Schulzeit mindestens (!) einen dieser Misserfolge: Sie werden bei der Einschulung zurückgestellt (11 Prozent). Sie bleiben in der Grundschule sitzen (19 Prozent) oder in der Sekundarstufe I (40 Prozent). Sie werden abgeschult, also wechseln auf eine schwächere Schulform (10 Prozent). Oder sie verlassen die Schule ohne Abschluss (8 Prozent). 

Man muss gar nicht den internationalen Vergleich mit dem Schulmusterland Finnland bemühen, um das ganze Ausmaß der Katastrophe zu erkennen. Der Hälfte aller jungen Menschen in Deutschland schreibt das deutsche Schulsystem auf diese Weise eine fundamentale Versagenserfahrung in den Lebenslauf. Hinzu kommt: 

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    Noch sortiert das deutsche Schulsystem Kinder nach der vierten Klasse, ohne dass dadurch die eigentlich beabsichtigten leistungshomogenen Lerngruppen entstünden. Außerdem ist vielfach widerlegt, dass Kinder in solchen Gruppen automatisch besser lernen könnten. 

     
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    Formal ist das Schulsystem durchlässig, in der Praxis ist ein Wechsel von der Realschule (oder gar der Hauptschule) zum Gymnasium kaum machbar.

     
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    Welche Schule Eltern für ihr Kind tatsächlich wählen, hängt wesentlich vom Angebot vor Ort ab, nicht von der Leistungsfähigkeit der Kinder. Wenn es in der Kleinstadt nur eine Hauptschule gibt, gehen dort auch 40 Prozent der Kinder hin. 

     
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    Zunehmend wünschen Eltern für ihr Kind den direkten Weg zum Abitur. Denn nur das Abitur verspricht, den sozialen Status zu halten oder zu verbessern. Kein Wunder, dass das Gymnasium die am stärksten nachgefragte Schulform ist. 

     
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    Deshalb wirkt eine Schulform ohne Weg zum Abitur auch nicht zukunftsweisend. Die Verbundschule in NRW (eine Kombination aus Haupt- und Realschule – in Dortmund gibt es sie nicht) konnte den Trend zum Gymnasium nicht stoppen.

     

Die EU-Bildungsminister rüffelten schon im November 2006 die negativen Auswirkungen des mehrgliedrigen Schulsystems in Deutschland. Spiegel und Taz berichteten damals über die Schlussfolgerungen anerkannter Wissenschaftler sowie der OECD und der Unesco: Wenn man Schülerinnen und Schüler schon in jungen Jahren auf verschiedene Schulformen sortiert, dann verschlechtert das vor allem die Ergebnisse benachteiligter Kinder. 

Aus diesen Erkenntnissen entstand das Konzept der Gemeinschaftsschule:

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    In der fünften und sechsten Klasse haben die Schülerinnen und Schüler gemeinsam Unterricht.

     
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    Für die Zeit ab der siebten Klasse kann die Schule ihr Modell frei entwickeln: Alle Schülerinnen und Schüler lernen weiter gemeinsam. Oder die Klassen werden differenziert: Hauptschulklasse, Realschulklasse, Gymnasialklasse. Oder nur die „Gymnasiumskinder“ werden extra unterrichtet.

     
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    Grundvoraussetzung 1: Das Modell muss pädagogisch sinnvoll sein. Denn am Konzept der individuellen Schule hängt sehr viel. Die Schulform allein macht noch keine gute Schule.

     
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    Grundvoraussetzung 2: Von Anfang an wissen die Kinder, wo sie bruchlos die gymnasiale Oberstufe besuchen können. Doch auch da gibt es verschiedene Möglichkeiten: in einem Gymnasium am Ort, in der Oberstufe einer Gesamtschule oder in einem Berufskolleg.

     
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    Als Ganztagsschule hat die Gemeinschaftsschule einen größeren Spielraum für andere Lernformen und Bildungsinhalte.

     

Der  Leitfaden des Schulministeriums stellt das gesamte Modell ausführlich dar. 

Besonders für den ländlichen Raum

Dabei eignet sich die Gemeinschaftsschule vornehmlich für kleinere Gemeinden. Bis 2025 werden die SchülerInnenzahlen um 20 Prozent sinken. Dann schließt in vielen kleineren Orten die letzte Haupt- oder Realschule. Indem diese Gemeinden Schulen zusammenlegen, können sie ein umfassendes Schulangebot vor Ort aufrechterhalten. 

Eng gesteckt war der Zeitplan. Um zum nächsten Schuljahr beginnen zu können, müssen die Bewerbungen der Schulen bis Ende des Jahres vorliegen. Binnen Monatsfrist wird das Schulministerium entscheiden, denn im Februar laufen die Anmeldungen für die weiterführenden Schulen. Besonders Gemeinden, die schon seit einigen Jahren in der Warteschleife für einen Schulversuch stehen, konnten da schnell reagieren – zum Beispiel Ascheberg

Und in Dortmund?

Auch wenn in Dortmund keine Schule im ersten Anlauf dabei sein wird: Der Rat wird dem Land die grundsätzliche Bereitschaft signalisieren, Gemeinschaftsschulen einzurichten. Insbesondere die Stadtbezirke ohne Gesamtschule (Aplerbeck, Hörde, Mengede und Eving) wären als Standorte zu prüfen. Dabei sollte Platz für eine vierzügige Schule vorhanden sein, und falls keine eigene gymnasiale Oberstufe dort errichtet werden kann, sollte eine Oberstufe zumindest in der Nachbarschaft vorhanden sein. 

Das steht natürlich unter dem Vorbehalt, dass sich, wie es abzusehen ist, bis Jahresende keine 50 Schulen in NRW finden und Schulministerin Löhrmann entsprechend einen zweite Welle für den Versuch startet. 

Und wo liegt der Unterschied zur Gesamtschule?

In der Flexibilität: Die Struktur der Gesamtschule mit ihrer Binnendifferenzierung nach Grund- und Ergänzungskursen liegt fest. In der Gemeinschaftsschule kann die Form und Differenzierung des gemeinsamen Lernens frei gewählt werden – und neue Formen ausdrücklich erprobt werden. Auch die Form der gymnasialen Oberstufe kann frei gewählt werden. Damit ist die Gemeinschaftsschule flexibel genug, um die vorhandenen Schulstrukturen in den Gemeinden Nordrhein-Westfalens zu berücksichtigen.

AUSBLICK

 

Der rot-grüne Koalitionsvertrag (Seite 14 der Datei) blickt schon einen Schritt weiter: Binnen fünf Jahren sollen 30 Prozent der allgemeinbildenden Schulen in der Sekundarstufe in Gemeinschaftsschulen umgewandelt werden. 

Weil sie im Landtag keine Mehrheit hat, führt die rot-GRÜNE Landesregierung die Gemeinschaftsschule nach §25 des Schulgesetzes NRW ein. Als Modellvorhaben benötigt eine Schule nur die Genehmigung des Ministeriums. Damit verzichtet sie auch bewusst auf die Einführung mit der Brechstange, wie es die gesetzlich aufgezwungene Einführung des verkürzten Gymnasiums (G8) war. Im Gegenteil: Es sind die Schulkonferenzen vor Ort, die gemeinsam mit dem Schulträger entscheiden, welchen Weg sie mit ihrer Schule gehen wollen. 

Zu guter Letzt macht die Gemeinschaftsschule einen Schritt zur inklusiven Schule. Denn die UN-Menschenrechtskonvention gewährt Kindern mit Behinderungen ein Recht auf inklusive Bildung. In der Gemeinschaftsschule wird das möglich werden – mit dem ausdrücklichen Ziel, alle Kinder, die sie einmal aufgenommen hat, zu einem Abschluss zu führen. 

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